Mehr als Minoxidil: Innovative Wirkstoffe gegen Haarausfall und für gesünderes Haar

Mehr als Minoxidil: Innovative Wirkstoffe gegen Haarausfall und für gesünderes Haar

Einleitung

Haare spielen eine zentrale Rolle für die Wahrnehmung von Gesundheit, Jugendlichkeit und Vitalität. Bis zu 40 % der Frauen und 50 % der Männer leiden im Laufe ihres Lebens unter Haarverdünnung. Die häufigste Ursache für Haarausfall ist die genetisch bedingte androgenetische Alopezie, auch bekannt als männlicher oder weiblicher erblich bedingter Haarausfall.

Obwohl topisches Minoxidil und orales Finasterid weiterhin die wichtigsten von der FDA zugelassenen pharmakologischen Optionen darstellen, hat die steigende Nachfrage nach nicht-chirurgischen und pflanzenbasierten Alternativen die Entwicklung cosmeceutischer Wirkstoffe beschleunigt, die sowohl das Haarwachstum als auch die Qualität der Haarfaser verbessern sollen.

Dieser Artikel beleuchtet verschiedene alternative Wirkstoffe sowie die derzeit verfügbare klinische Evidenz zu ihrer potenziellen Rolle bei Haarwachstum und Haarpflege. Ziel ist es, Behandlern dabei zu helfen, ihre Therapieoptionen zu erweitern und Haarrestaurationsprotokolle besser an unterschiedliche Patientenbedürfnisse anzupassen.

Mehr dazu: Haarwachstumszyklus und Behandlungsprotokolle bei Haarausfall


Vitamin C

Vitamin C ist seit Langem für seine antioxidativen Eigenschaften bekannt, seine Anwendung in kosmetischen Formulierungen war jedoch aufgrund seiner Instabilität begrenzt. Daher untersuchten Forscher die Verwendung eines stabileren Vitamin-C-Derivats, L-Ascorbinsäure-2-Phosphat, zur Stimulierung des Haarwachstums.

Wirkmechanismus

  • Erhöhung der IGF-1-Expression (ein Wachstumsfaktor zur Unterstützung des Haarwachstums).
  • Mögliche Reduktion von Dickkopf-1, einem Protein, das mit DHT-bedingtem Haarausfall in Verbindung steht. DHT (Dihydrotestosteron) ist ein Hormon, das die dermalen Papillenzellen im Haarfollikel beeinflusst und als einer der Hauptfaktoren für die Follikelminiaturisierung bei androgenetischer Alopezie gilt.

Klinischer Effekt

In Mausstudien stellten Forscher fest, dass dieser Wirkstoff einen früheren Übergang von der Telogenphase (Ruhephase) in die Anagenphase (aktive Wachstumsphase) förderte und gleichzeitig die Verlängerung des Haarschafts erhöhte.

Obwohl vielversprechende Ergebnisse in Tierstudien gezeigt wurden, liegen bislang keine klinischen Studien am Menschen vor, die die Wirksamkeit für die Behandlung von Haarwachstum bestätigen. Daher sollten Behandler die aktuelle Evidenzlage sorgfältig bewerten, bevor dieser Wirkstoff in klinische Haarrestaurationsprotokolle integriert wird.


Aminosäuren und ihre Derivate

Taurin

Taurin ist eine natürlich vorkommende β-Aminosäure, die durch den Stoffwechsel von Methionin und Cystein gebildet wird. Da der Körper nur begrenzte Mengen Taurin produziert, spielt die Aufnahme über die Ernährung eine wichtige Rolle.

Wirkmechanismus

Taurin kann Haarfollikel vor stressbedingten Schäden schützen und ein gesünderes Haarwachstum unterstützen, indem es die Follikel gegen TGF-β1 schützt – einen Faktor, der mit der Hemmung des Haarwachstums assoziiert ist.

Klinischer Effekt

In einer In-vitro-Studie (Labortests an isolierten Zellen oder Geweben außerhalb des menschlichen Körpers) zeigten menschliche Haarfollikel, die mit Taurin behandelt wurden, eine signifikant stärkere Haarverlängerung als unbehandelte Follikel.

L-Carnitin

L-Carnitin ist eine Aminosäure, die an der zellulären Energieproduktion beteiligt ist, indem sie Fettsäuren in die Mitochondrien transportiert.

Wirkmechanismus

Es unterstützt das Haarwachstum durch:

  • Verlängerung der Anagenphase (aktive Wachstumsphase).
  • Stimulation des Wachstums von Haarfollikelzellen.
  • Verringerung der Apoptose (Zelltod).

Klinischer Effekt

Studien zeigten eine verstärkte Verlängerung des Haarschafts in kultivierten menschlichen Haarfollikeln. In einer prospektiven, randomisierten, placebokontrollierten Humanstudie zeigte topisches L-Carnitin-L-Tartrat ebenfalls haarwachstumsfördernde Effekte.


Peptide

Peptide gewannen zunächst im Bereich der Haarpflege bei Menschen afrikanischer Herkunft besondere Aufmerksamkeit, da deren Haar aufgrund der starken Lockenstruktur oft schwierig zu stylen ist. Viele Menschen greifen deshalb zu chemischen Glättungsprodukten oder verwenden regelmäßig Glätteisen beziehungsweise Lockenstäbe, um das Haar glatter und besser kontrollierbar zu machen. Dies kann jedoch die Haarstruktur zusätzlich schwächen und das Haar brüchiger sowie anfälliger für Haarbruch machen. Beschädigte Haaroberflächen weisen zudem eine stärkere negative Ladung auf.

Peptide

Peptide sind seit Langem für ihre vielfältigen Vorteile in der Haarpflege und Haarreparatur bekannt.

Aus diesem Grund werden positiv geladene Peptide eingesetzt, um die Cuticula zu umhüllen und zu reparieren. Es gibt Hinweise darauf, dass die Position der positiven Ladung (am kleineren C-terminalen Ende statt am N-terminalen Ende) eine bessere Penetration der Peptidkomponente ermöglicht.

Es wurde ein keratinbasiertes Peptid entwickelt, das aus 13 Aminosäuren besteht und ein Fragment des menschlichen kutikulären Keratinproteins Typ II imitiert, das durch das KRT85-Gen codiert wird. Bei Anwendung auf chemisch geglättetem afrotexturiertem Haar zeigte sich eine Verbesserung sowohl der mechanischen als auch der thermischen Eigenschaften. Dies bestätigte frühere Ergebnisse, wonach dasselbe Keratinpeptid auch die Eigenschaften von stark blondiertem und geschädigtem Haar wiederherstellen konnte.


Ätherische Öle

Wissenschaftler in Korea zeigten haarwachstumsfördernde Effekte von ätherischem Öl aus Zizyphus jujuba. Dieses stammt aus einer dornigen Pflanze der Kreuzdorngewächse, die bereits als Analgetikum sowie zur Vorbeugung von Schwangerschaft und Diabetes verwendet wird.

  • Forscher trugen Konzentrationen von 0,1 %, 1 % und 10 % des ätherischen Öls auf die rasierten Rücken von Mäusen auf und beobachteten das Haarwachstum über einen Zeitraum von 21 Tagen.
  • Dabei zeigte sich, dass Mäuse, die mit 1 % und 10 % Lösung behandelt wurden, signifikant längeres Haar hatten (9,96 bzw. 10,02 mm) als die Kontrollgruppe (8,94 mm).

In Indien werden die Samen des Teakbaums seit Langem von indigenen Gruppen zur Vorbeugung von Haarausfall eingesetzt. Kürzlich wurde nachgewiesen, dass ihre haarwachstumsfördernde Wirkung mit einer 2%igen Minoxidil-Lösung vergleichbar beziehungsweise sogar leicht stärker ist.

  • Forscher in Indien testeten einen 5%igen und 10%igen Petrolether-Extrakt auf rasierter Haut von Albino-Mäusen.
  • Die Ergebnisse zeigten, dass in den Behandlungsgruppen mehr Haarfollikel in die Anagenphase übergingen (64 % und 51 %) als bei mit Minoxidil behandelten Follikeln (49 %).

Polyphenole: Traubenkernextrakt, Apfelextrakt, Gerste und Himbeere

Antioxidantien wie Polyphenole (einschließlich Flavonoiden) sind bekannt für ihre Fähigkeit, freie Radikale zu neutralisieren und dadurch oxidativen Stress durch UV-Strahlung und Umweltverschmutzung zu reduzieren. Japanische Forscher konnten haarwachstumsfördernde Effekte von Proanthocyanidinen aus Traubenkernen der Chardonnay-Sorte nachweisen.

Die Effekte wurden sowohl in In-vitro- als auch In-vivo-Studien beobachtet, wobei ein 3%iger Proanthocyanidin-Extrakt ebenso wirksam war wie 1% Minoxidil bei der Umwandlung von Haarfollikeln der Maus von der Telogen- in die Anagenphase. Procyanidin B-2 (ein Epicatechin-Dimer) zeigte dabei die stärkste wachstumsfördernde Aktivität auf Haar-Epithelzellen in vitro.

  • Im Jahr 2001 untersuchte die erste klinische Studie die topische Anwendung eines 1%igen Procyanidin-B-2-Tonikums zur Förderung des Haarwachstums beim Menschen. Dabei zeigten 78,9 % der Behandlungsgruppe eine Zunahme des durchschnittlichen Haardurchmessers.
  • In einer zweiten doppelblinden klinischen Studie wurden 0,7%ige Procyanidin-Oligomere aus Apfel (Malus pumila) auf die Kopfhaut von Männern mit androgenetischer Alopezie aufgetragen. Nach 6 und 12 Monaten zeigte die Behandlungsgruppe eine signifikante Zunahme der Haardichte.
Äpfel

Äpfel sind eine wichtige Quelle für Procyanidin-Extrakte – Quelle: Science Direct

Studien zu Procyanidinen haben zu einem besseren Verständnis der Mechanismen beigetragen, die an der Regulation des Haarwachstums beteiligt sind. Procyanidin B-3, isoliert aus den Samenschalen von Gerste, konnte den hemmenden Effekt des Haarwachstumsfaktors TGF-β1 antagonisieren. Procyanidin B-2 reduzierte zudem die Expression der Proteinkinase C, die als bekannter Inhibitor des Haarwachstums gilt.

Auch Himbeeren könnten eine Rolle bei der Behandlung von Haarausfall spielen. Basierend auf früheren Untersuchungen, die zeigten, dass Capsaicin das Haarwachstum fördern kann, testeten Forscher Himbeerketon (RK), eine strukturell ähnliche aromatische Verbindung aus roten Himbeeren (Rubus idaeus).

Bei Anwendung auf der Kopfhaut förderte 0,01 % RK nach 5 Monaten bei 50 % der Menschen mit Alopecia areata das Haarwachstum. Dieser Effekt scheint durch die Aktivierung sensorischer Neuronen zu entstehen, wodurch die Spiegel des dermalen insulinähnlichen Wachstumsfaktors I (IGF-I) erhöht werden.


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Da das Interesse an nicht-chirurgischer Haarrestauration weiter zunimmt, wird die Kombination evidenzbasierter Wirkstoffe mit klinisch orientierten Behandlungsprodukten in der ästhetischen Praxis immer wichtiger. Bei WIR Aesthetics bieten wir ein kuratiertes Portfolio professioneller Haarpflege- und Haarausfall-Lösungen an, die die Gesundheit der Kopfhaut unterstützen, die Haarqualität verbessern und klinische Haarrestaurationsprotokolle ergänzen.


Fazit zu innovativen Wirkstoffen bei Haarausfall und Haarpflege

Moderne Haarrestauration beschränkt sich längst nicht mehr ausschließlich auf Minoxidil und Finasterid. Neue Wirkstoffe wie Peptide, Aminosäuren, Polyphenole, pflanzliche Extrakte und Vitamine zeigen vielversprechendes Potenzial zur Unterstützung des Haarwachstums, zur Verbesserung der Kopfhautgesundheit und zum Schutz der Haarfaserqualität über unterschiedliche biologische Mechanismen hinweg.

Auch wenn für viele dieser Wirkstoffe noch größere klinische Studien erforderlich sind, bieten sie Behandlern zusätzliche Möglichkeiten, individuellere und umfassendere Therapieprotokolle gegen Haarausfall zu entwickeln.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was ist der Unterschied zwischen Haarausfall und verstärktem Haarausfall (Hair Shedding)?

Verstärkter Haarausfall ist meist vorübergehend und Teil des natürlichen Haarzyklus, während echter Haarausfall häufig mit einer fortschreitenden Miniaturisierung der Haarfollikel oder einer langfristig reduzierten Haardichte verbunden ist.

2. Wie helfen Peptide bei geschädigtem Haar?

Peptide unterstützen die Reparatur geschädigter Haare, indem sie sich an geschwächte Bereiche der Haarkutikula anlagern. Dadurch können Haarstärke verbessert, Haarbruch reduziert und die Haarfaser vor Hitze- und Chemikalienschäden geschützt werden.

3. Welche Rolle spielt DHT bei androgenetischer Alopezie?

DHT (Dihydrotestosteron) ist ein Hormon, das mit der Miniaturisierung der Haarfollikel in Verbindung steht. Dies führt schrittweise zu dünner werdendem Haar und anlagebedingtem Haarausfall bei Männern und Frauen.

4. Was verursacht die Miniaturisierung der Haarfollikel?

Die Miniaturisierung der Haarfollikel wird hauptsächlich mit DHT-Aktivität, genetischen Faktoren, Entzündungen, oxidativem Stress und Störungen des normalen Haarwachstumszyklus in Verbindung gebracht.

5. Kann geschädigtes Haar wieder stärker werden?

Stark geschädigtes Haar kann sich nicht vollständig regenerieren. Wirkstoffe wie Peptide, Proteine und pflegende Inhaltsstoffe können jedoch helfen, die Haarstruktur zu stärken und Haarbruch zu reduzieren.

6. Welche professionellen Behandlungen werden häufig mit Haarwachstumsprodukten kombiniert?

Haarwachstumsprodukte werden häufig mit Mesotherapie, Microneedling, PRP, Kopfhautbehandlungen und professionellen Homecare-Routinen kombiniert, um umfassendere Haarrestaurationsprotokolle zu unterstützen.


Hinweis

Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Anwender:innen in der ästhetischen Medizin und ersetzt keine individuelle Beratung, Fortbildung oder Entscheidungsgrundlage im Einzelfall. Es werden keine Heilsversprechen abgegeben und keine spezifischen Therapieempfehlungen für einzelne Patient:innen ausgesprochen. Nationale gesetzliche Vorgaben, Fachinformationen der Hersteller und aktuelle Leitlinien sind bei jeder Anwendung zu beachten.

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